Zwei voll auf Speed
Speed-Weltrekord Aus spontaner Begeisterung heraus entstand die Idee, die zur europaweiten Werbekampagne wurde. Die unglaubliche Story zweier Schweizer Motorradenthusiasten.
Text: Rof Lüthi, MOTO SPORT SCHWEIZ, Bilder: Lüthi, zvg

Wenn sie dieses Heft in Händen halten, sind Markus Saegesser, Ruedi Steck und sechs Begleiter bereits unterwegs in die USA. Die Motorräder mit denen die beiden einen oder mehrere Töff-Geschwindigkeitsrekorde in die Schweiz holen wollen, wurden schon zwei Wochen zuvor versandt. Vom 2. bis 6. September gilt es ernst: Nur an den Motorcycles Speed Trials wachen Funktionäre des Motorrad-Weltverbandes FIM auf dem Salzsee von Bonneville/Utah über die Einhaltung der Reglemente, nur dann können anerkannte Speed-Weltrekorde gefahren werden. Angefangen hat alles mir einem Kinofilm: "The Worlds Fastest Indian", der die Geschichte von Speedfreak Burt Munro erzählt, zog Ruedi und Markus dermassen in den Bann, dass sie spontan beschlossen, wie einst Munro auf dem Salzsee von Bonneville einen Geschwindigkeits-Weltrekord zu fahren. Unrealistische Träume? Keineswegs! Der absolute Rekord auf zwei Räder liegt zwar bei 565 km/h, doch gibt es an den Speed Trials eine Unzahl von Klassen und Subkategorien, in denen die Trauben viel tiefer hängen
"Das wollen wir auch!"
"Wir währen auf jeden Fall nach Bonneville gereist, um Rekorde zu fahren, wenn auch in bescheidenerem Rahmen. Doch dann stieg Castrol ein", erzählt Markus von einer plötzlichen Wende. Sie suchten einen Ölsponsor, als die Verhandlungen mit Castrol eine unerwartete Wende nahmen. Mit dem Projekt "Swissperformance and Castrol Power 1 go for the World Record" sollte Castrols neues Qualitäts-Motorradöl promotet werden. "Wir schauten uns an, und ich sagte spontan: "Wir machen das!", erzählt Ruedi. "Wir mussten Castrol einen Gesamtpreis nennen für das Team, den Bau der Töff, eine zweimonatige Promotionstour durch Europa, die Reise in die USA, die eigentlichen Rekordfahrten, die mediale Betreuung. Das war an einem Mittwoch. Wir hetzten heim und begannen hektisch alles durchzurechnen, arbeiteten eine Nacht durch. Am Samstag um 13.10 Uhr drückte Markus auf den Knopf und mailte die Offerte an Castrol. Nur zwei Stunden später kam die Antwort: "Go!" Ruedi, Organisator der Messe Swiss Performance und Customizer, widmete sich voll dem Unternehmen Weltrekord, bei Markus (Gebietsleiter bei IBM) war das nicht so einfach. Auf der zweimonatigen Promotionstournee durch sechs Länder, bei welcher die Weltrekord-Motorräder grösstenteils auf der Strasse zu den Auftritten gefahren wurden, sprang teilweise Rahmenbauer Livio Kägi ein.
Zwei und drei Zylinder
Ruedi bringt einen absoluten Exoten auf die Boneville Salt Flats: Die "Swiss Express" wird angetrieben von einem Feuling-W3-Motor. Den luftgekühlten Dreizylinder baute Jim Feuling, der 2002 verstarb. Ruedi importierte Motor und Rahmen aus den USA und baute daraus zunächst einen Powercruiser. Fuer den Weltrekord wurden drei 39er-Einzelvergaser und offene Rohre angebaut. Mit 2.5 l Hubraum werden 150 PS abgedrückt. Das Cruiser Hirschgeweih wurde durch Lenkerstummel ersetzt. Ruedi will allfällige Rekorde Motorenbauer Jim Feuling widmen. Auf die obligate Journalistenfrage antwortet Ruedi, dass er "aus persönlichen Gründen nicht mehr Mitglied der Hells Angels ist". Bei der "Castrol Power 1 Hot-Shot" von Markus handelt es sich nicht um eine Harley. Die Firma Hot-Shot baute den V2 mit 45º-Zylinderwinkel. Ein Turbo von Aerocharger samt Ladeluftkühler heben die Leistung auf 230 PS. Das tief liegende Fahrwerk (Hinterrad ungefedert, Tank im Heckbürzel) baute Livio Kägi mit seiner Firma "MID.land Framework". Markus fuhr früher Autocross und legte auf der Strasse mehr als 500'000 Töffkilometer zurück. Markus und Ruedi sind die ersten Schweizer, die auf den Bonneville Salt Flats Geschwindigkeits-Weltrekorde angreifen. Trainiert werden sie vom Boxer Stefan Angehrn. Markus: "Der nimmt uns ganz schön ran!"
Letzte Vorbereitungen
Dazu gibt es tausend Kleinigkeiten zu organisieren und Lösungen zu finden. Logistiksponsor DHL stellt einen Mann für eine Woche ab, um die Weltrekord-Töff aus dem US-Zoll zu holen und nach Bonneville zu bringen. Weiter muss zum Beispiel bei der Motorabstimmung berücksichtigt werden, dass Bonneville auf 1400 m liegt. Sehr hilfreich war, dass FIM-Funktionär Charles Hennekam eigens in die Werkstatt von Mechaniker Sven Traber nach Waltalingen ZH kam. Er gab wertvolle Tips fuer eine reibungslose Abnahme in Bonneville. So musste an Markus' Töff der Ladeluftkühler höher gesetzt und schmaler ausgeführt werden. Darüber hinaus entschied man kurzfristig, zusätzlich in der Klasse "Partly Streamlined" anzutreten, und baute für beide Töff Halbverschalungen. Das Team wird in Bonneville aus acht Personen bestehen. Markus und Ruedi werden in der Klasse 2000 bis 3000 cm³ starten, Markus in der Unterkategorie mit, Ruedi ohne Aufladung. Zwar gilt es relativ bescheidene 221 km/h zu schlagen (Warren 'Pete' Davis 2004 Harley Davidson ohne Aufladung), doch Markus und Ruedi lassen durchblicken, dass sie wesentlich schneller fahren wollen. Bei unserem Besuch in der Werkstatt beobachteten wir Ruedi beim Sortieren von Zahnkränzen unterschiedlicher Grösse. Diese waren angeschrieben mit der Geschwindigkeit der Übersetzung. Auf einem erhaschten wir die Ziffer "319". MOTOR SPORT SCHWEIZ wünscht Good Luck!


